BenutzerWarenorbE-mail sendenzu Belibten hinzufügen

SCHOOL CRONICLE 2003/1


Cena brez DDV: 1.845,23 SIT (7,70 EUR)
Stopnja DDV: 8,50%
Cena z DDV: 2.002,07 SIT (8,35 EUR)

SCHOOL CHRONICLE - MISCELLANY FOR THE HISTORY OF SCHOOLING AND EDUCATION - BULLETIN OF THE SLOVENIAN SCHOOL MUSEUM, LJUBLJANA

 

Editorial Board: Marjetka Balkovec Debevec, dr. Teodor Domej (Avstrija / Austria), dr. Darko Friš, Ksenija Guzej, Tatjana Hojan (lektorica / Proofreading), dr. Zdenko Medveš, mag. Stane Okoliš (Editor-in-Charge), Slavica Pavlič, dr. Mojca Peček Čuk, dr. Leopoldina Plut Pregelj (USA), Mateja Ribarič (Tehnical Editor), mag. Branko Šuštar (Responsible person of the publisher), mag. Mladen Tancer, dr. Andrej Vovko.

The articles have been reviewed by the Editorial Board. The authors are solely responsible for the content of their articles. No part of this publication may be reproduced without the publisher’s prior consent and a full mention of the source.

© Slovenski šolski muzej / Slovenian School Museum, Ljubljana


The editing of this issue was completed on 15 December 2003.

Translation: Veronika Pušnik (English),
Marinka Krenker (German)
Language-editing: Murray Bales ( English)
Typesetting: Maja Košćak, Ksenija Guzej
UDC: Martin Grum


Editorial and administrative office: Slovenski šolski muzej, Plečnikov trg 1,
SI-1000 Ljubljana, Slovenija;
Phone, Fax: ++386 01 25 13 024
e-mail: solski.muzej@guest.arnes.si
www.ssolski-muzej.si
Bank account: 01100-6030720893
Co-financed by: The Ministry of Education, Science and Sport of the Republicof Slovenia
Publisher: Slovenian School Museum
Cover design: Sloway
Design and computer typesetting: Uroš Čuden, Medit d.o.o.
Printed by: Littera picta d.o.o., Ljubljana, 2003
Number of copies: 800 izvodov

 


ŠOLSKA KRONIKA
ZBORNIK ZA ZGODOVINO ŠOLSTVA IN VZGOJE
Glasilo Slovenskega šolskega muzeja, Ljubljana

Leto 2003 - številka 2
Letnik 12 - XXXVI
School Chronicle

The Miscellany for the History of Schooling and Education. Bulletin of the Slovenian School Museum. Ljubljana. Slovenia.

 

 INHALT

SAMMELBAND ZUR AUSSTELLUNG “DIE ALTE SCHULE SCHLÄGT DIE NEUE”

Zur Eröffnung der Ausstellung über Schulbelohnungen und Schulstrafen "Die alte Schule schlägt die neue: von Gottesangst zu Kindesrechten" im Slowenischen Schulmuseum, 19. 11. 2003


ARTIKEL UND DISKUSSIONEN


Stane Okoliš:
Schulstrafen bei der Einführung der obligatorischen Grundschule auf slowenischem Gebiet
Tatjana Hojan: Schulstrafen in den pädagogischen Zeitschriften
Branko Šuštar: Mit der Rute in der Schule ist es ein Kreuz. Das Lehrerblatt "Slovenski učitelj" ("Slowenischer Lehrer") über Schulstrafen und Belohnungen Anfang des 20. Jahrhunderts
Marjetka Balkovec Debevec: Über Schulstrafen auf pädagogischen Kursen während des zweiten Weltkriegs
France Strmčnik: Geschichtliche Darstellung der Auffassung und Bedeutung der pädagogischen Strafe
Monika Govekar-Okoliš: Gesetzlich vorgeschriebene Schulstrafen an den Gymnasien auf slow. Gebiet in den Jahren 1849-1914
Iris Ucman: Strafen an gegenwärtigen Grundschulen

Ludvik Mihelič: Erziehungsmaßnahmen an den Mittelschulen von heute

Jana Kalin: Der Lehrer zwischen heteronomer un autonomer Schülermoralität

Robi Kroflič: Über den pädagogischen Wert der Strafe


ERINNERUNG AN DIE SCHULE

Jurij Lovrenc Mrak: Erinnerungen an Schulbestrafungen

 

SPLITTER DER SCHULVERGANGENHEIT

Schulstrafen und Belohnungen in slowenischen pädagogischen Zeitschriften

 

Anleitungen für Autoren


 Mitarbeiter

 


Zusammenfassung
Schulstrafen bei der Einführung der obligatorischen Grundschule auf slowenischem Gebiet

Stane Okoliš

Die Einführung der Grundschulpflicht ist eng verbunden mit den Reformbestrebungen der aufgeklärten Kaiserin Maria Theresia in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Mit der Bestätigung des Planes von Felbing, der sich mit der Neugestaltung des Grundschulwesens in der Habsburger Monarchie befasste (Allgemeine Schulordnung von 1774) wurden die Grundlagen für ein zentral geführtes Grundschulsystem geschaffen. Da die Reform bei den Lehrern anfing, insbesondere bei der Frage ihrer Ausbildung, beschäftigt sich die Schulordnung besonders mit Anleitungen für Lehrer, verbunden mit ihrer Arbeit mit Schülern und beschreibt die häufigsten Entwicklungseigenschaften der Jugendlichen. Im Methodenbuch (1775), das als Ergänzung zum Grundplan der Reform ein umfangreiches Lehrerhandbuch ist, bekommt der Lehrer ausführliche Anweisungen darüber, was und unter welchen Umständen man in der Schule bestrafen darf und welche Schulstrafen erlaubt bzw. verboten sind … Als ein Erziehungsmittel im Ausnahmefall war auch die Körperstrafe erlaubt. Mit der Rute durften jedoch lediglich die älteren Schüler bestraft werden, da keine Gefahr bestand, sie dadurch zu verletzen. Bei jüngeren Schülern durften nur kleinere Ruten verwendet werden, Ochsenziemer, Stöcke oder Peitschen waren absolut verboten. Ebenfalls verboten waren Ohrfeigen, Stöße, Schläge mit der Faust, Haarreißen, Knien, Ohrenzwicken, Verhöhnungen und Strafen, mit denen die Ehre der Schüler verletzt wurde, zum Beispiel die Eselsbank oder Strohkränze. Falls es bei der Bestrafung dennoch zu Verletzungen kam, drohte dem Lehrer nach Politischer Schulverfassung von 1805 ein Gefängnis. Bei Wiederholung ähnlicher Vorfälle konnte es es sogar zu Entlassungen kommen. Sowohl bei der Erziehung als auch bei der Bestrafung selbst weisen die Reformbestrebungen von Felbiger starke religiöse Tendenzen auf, die von der Aufklärung häufig kritisiert wurden. Nach Felbiger sollte sich die Arbeit an den Grundschulen nach dem Grundsatz richten, dass "der Anfang aller Weisheit ist die Furcht Gottes« Demzufolge war man in den einzelnen Ländern (auch in Krain), wo sich die neugegründeten Schulausschüsse um die Entwicklung des Schulwesens kümmerten, davon überzeugt, dass neben Demut auch die Gottesfurcht eine Grundlage für eine gute Erziehung ist. Die religiösen Bräuche waren deshalb ein Bestandteil der Schulbildung.

 

Zusammenfassung
Schulstrafen in den pädagogischen Zeitschriften

Tatjana Hojan

Vor 1870 erschienen in Slowenien die pädagogischen Zeitschriften "Šolski prijatelj" ("Schulfreund") (seit 1852), "Učiteljski tovariš" ("Lehrerkamerad") (seit 1861) und das Jahrbuch "Drobtinice" ("Krümlein"), mit dessen Herausgabe Anton Martin Slomšek bereits 1846 begann und das sowohl an Lehrer und Eltern als auch an ihre Kinder gerichtet war. Die meisten Beiträge zum Thema Schulstrafen wurden von Andrej Praprotnik geschrieben, der damals Lehrer und Redakteur von "Učiteljski tovariš" war. Während einige Autoren die Körperstrafe als die einzig mögliche Art und Weise der Bestrafung befürworteten, waren die meisten von ihnen immerhin der Meinung, dass ein guter Lehrer auch ohne derartige Mittel die gewünschte Ordnung halten könne. Alle aber waren gegen eine ganzheitliche Abschaffung der Körperstrafe, da sie ab und zu wirklich notwendig war. In diesem Zeitraum wurden zahlreiche Veränderungen unseres Schulwesens vorbereitet, wodurch auch Strafen und Geschenkannahmen verändert wurden. So führte man 1868 das Geschenkannahmeverbot ein, mit der Schulordnung von 1870 wurde auch die Körperstrafe abgeschafft. Alle diese Veränderungen erscheinen in den Beiträgen der oben genannten Publikationen und haben sowohl ihre Befürworter als auch Gegner.
Ende 1872 begann der derzeit in Ljutomer tätige pädagogische Schriftsteller und Lehrer mit der Herausgabe der pädagogischen Zeitschrift "Slowenischer Lehrer". Der erste Jahrgang erschien im Selbstverlag, in den Jahren 1874 bis 1877 entstand daraus das Organ des Lehrervereins.
Da er zahlreiche Aufsätze für seine Zeitschrift selbst verfasste, ist er zugleich Autor von mehr als der Hälfte aller Beiträge über Schulstrafen. Die Körperstrafe war damals an den Schulen bereits gesetzlich verboten, womit sich einige Lehrer keineswegs abfinden konnten. Die veröffentlichten Berichte von Lehrerversammlungen geben Aufschluss darüber. Ivan Lapajne war gegen die Körperstrafe und erwähnte in seinen Beiträgen andere Strafarten, z.B. das Einsperren der Schüler nach der Schule. Einige Beiträge erwähnten auch die Zusammenstellung der Disziplinar-vorschriften, die in jedem Klassenzimmer hängen müssten und von den undisziplinierten Schülern abzuschreiben wären. Der steirische Landesschulrat verbat 1870 das Einsperren der Schüler nach dem Unterricht, was Anregung zu etlichen Beiträgen gab, in denen sich die Lehrer fragten, welche Diszipliniermaßnahmen ihnen überhaupt noch übrig blieben. Ivan Lapajne veröffentlichte auch den Nachdruck des Artikels, der im "Lehrerkamerad" bereits 1870 erschien, als die Körperstrafe noch nicht verboten war. Erwähnt werden 14 Schulstrafen, an letzter Stelle die Körperstrafe, die nur ausnahmsweise anzuwenden sei.
" Popotnik" ("Wanderer") ist eine slowenische pädagogische Zeitschrift, die in den Jahren 1880-1941 und 1945-1949 herausgegeben wurde und Beiträge der derzeit bekannten Pädagogen veröffentlichte. Die ersten drei Jahre erschien sie in Celje, bis 1918 in Maribor und von 1919 an in Ljubljana.
Zahlreiche Beiträge zu Schulstrafen erschienen im "Popotnik" bis zum Jahre 1918. Verfasst von verschiedenen Autoren, waren sie größtenteils gegen die Schulstrafen überhaupt, da diese ein Ausdruck schlechter Arbeit des Lehrers in der Schule seien. Ihrer Meinung nach hatte der Lehrer durch interessanten Unterricht, Freundlichkeit und Liebe eine derartige Stimmung zu schaffen, die jegliche Undisziplin verhindern würde. Einige setzten sich für die Anwendung der Strafe im Ausnahmefall ein, sehr wenige Autoren jedoch vertraten die Meinung, dass Strafen unbedingt notwendig wären und bedauerten die Abschaffung der Körperstrafe an den Schulen.
Nach 1910 wuden im "Popotnik" Beiträge zu verschiedenen neuen Formen der Arbeit mit Jugendlichen veröfffentlicht, die in vielen Ländern weltweit, vor allem aber in Amerika, bereits angewendet wurden. Dort gründete man an den Schulen so genannte "Schulgemeinden", in denen die Schüler selbst Disziplinarvorschriften erstellten und bei der Bestrafung derjenigen mitwirkten, die dagegen verstießen. Insbesondere beschäftigte sich mit derartigen Erfahrungen der Lehrer und spätere Redakteur des "Popotnik" Pavle Flere, der in Letuš auch selbst eine "Schulgemeinde" gründete.
Nach 1918 erschienen im "Popotnik" sehr wenige Originalbeiträge, die Anzahl der Zusammenfassungen aus deutschen pädagogischen Blättern zum oben genannten Thema nahm jedoch zu. Es gab zahlreiche Berichte über Schulgemeinden an Mittelschulen und Klassen-gemeinschaften an Grundschulen. Die meisten Autoren waren gegen die Strafen, die manchmal an den Schulen angewendet wurden. Sie setzen sich für bedingte Strafen ein, die den Schülern die Möglichkeit boten, sich zu verbessern und sich bewusst und freiwillig an eine bestimmte Ordnung zu halten..
In einigen Originalbeiträgen beschreiben die slowenischen Lehrer ihre Versuche, die Disziplinarprobleme, zum Beispiel Diebstahl, durch Gespräch zu lösen.
Nach 1945 gab es im "Popotnik" etliche Beiträge über Schulstrafen. Zahlreiche gesellschaftliche Veränderungen hatten einen großen Einfluss auf die Schule und die Erziehung der Schüler. Bei der Schuldisziplin und Bestrafung betonten sämtliche Autoren die Bedeutung der Pionier- und Jungendorganisation. Als Strafen wurden die Ermahnung, der Verweis und der Schulausschluss erwähnt.

 

Zusammenfassung
Mit der Rute in der Schule ist es ein Kreuz Das Lehrerblatt "Slovenski učitelj" ("Slowenischer Lehrer") über Schulstrafen und Belohnungen Anfang des 19. Jahrhunderts

Branko Šuštar

Nach endgültiger Trennung unterschiedlicher geistiger Einstellungen in der Lehrerbewegung auf slowenischem Gebiet an der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert kann man im pädagogischen Blatt "Slovenski učitelj" (1899-1944) und der damit verbundenen Tätigkeit des Lehrerverbands von Slomšek die Ansichten der katholisch orientierten Lehrerschaft verfolgen. Die Beziehung der katholischen Pädagogen zu Schulstrafen kann im Sinne des beliebten Sprichworts "Die Rute macht die Primiz" nicht vereinfacht werden. Die Fragen der Schuldisziplin und der Strafen und Belohnungen als Erziehungsmittel wurden im Blatt mehrfach behandelt. Besonders häufig beschäftigte man sich mit dem Thema im Jahre 1909, danach in den für die Pädagogen besonders anstrengenden Jahren des Ersten Weltkriegs und ferner in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, insbesondere im Jahre 1939/40. Neben einer historischen Darstellung unterschiedlicher Einstellungen der Pädagogen zur Bestrafung und Belohnung gab es auch kritische Aspekte zur Bestrafung. Die preventive Erziehung von Don Boskov, zum Beispiel, verbat die Körperstrafe überhaupt. Auch die Katecheten waren bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entschieden gegen die Körperstrafe der Schüler im Religionsunterricht, besonders abgelehnt wurde Knien als Schulstrafe. Ein freundlicher Pädagoge mit viel Geduld und Liebe, begründet durch die Liebe Christi zu den Kinder, wurde als Ideal angestrebt. Der Lehrer soll durch seine Persönlichkeit erziehen, deshalb kann schon sein Blick bestrafen oder belohnen.
Die Rute war ein gefährliches Erziehungsmittel, das in Wirklichkeit häufig nur im Ausnahmefall zugelassen wurde. Obwohl die Körperstrafe bereits mit der Schulordnung von 1870 gesetzlich verboten wurde, war sie an den Schulen noch immer anwesend und verursachte nicht selten Rechtsstreit, besonders wenn sich die politische Orientierung des Lehrers von der der Eltern unterschied. Um die Frage zu klären, welche Schulstrafen zugelassenen seien, setzte man sich für die Fähigkeit des Lehrers, bei Bestrafungen sachlich zu urteilen, ein. Die einst üblichen Prämien zum Schuljahrschluss und die Anordnung der Schüler nach ihren Leistung in den Jahresberichten hatte man noch in guter Erinnerung. Bei den Belohnungen war man zurückhaltender. Zu den Schulstrafen im breiteren Sinne gehörten auch Situationen, wenn die Kinder wegen ihrer Verpflichtungen zu Hause nicht zum Unterricht kamen, wofür die Eltern bestraft wurden. Schulbelohnungen beinhalteten auch Jubiläumsauszeichnungen für Lehrer bei ihrer Pensionierung.
Neben Einstellungen deutscher Pädagogen zu den Fragen der Schuldisziplin beinhalten die Beiträge im Lehrerblatt "Slovenski učitelj" eine erneute Zuneigung zu Körperstrafen in einzelnen deutschen Ländern. Besonders interessant ist die Analyse der Beziehung der Kinder zu Strafen, mit der sich im slowenischen Raum nach Vorbild von H. Meng der slowenische Pädagoge F. Čiček beschäftigte und 1939 zu gegensätzlichen Feststellungen kam. Die Kinder waren keine Gegner der Körperstrafe, wenn diese gerechtfertigt war. Derartige Ansichten der Kinder waren gewiss ein Ausdruck der Situation in der Familie. Die veröffentlichten Meinungen zahlreicher Erzieher (Katecheten, Lehrerinnen und Lehrer) im "Slovenski učitelj" waren ab und zu auch recht unterschiedlich und polemisch, so dass sie für die stets umstrittene Birkenrute sogar Verständnis zeigten. Die Orientierung der Zeitschrift jedoch befürwortete im Sinne der geistigen Einstellung vor allem Erziehung durch die Stärke der Persönlichkeit des Lehrers, beruhend auf religiösen Grundsätzen der katholischen Theorie, häufig jedoch mit einer kritischen Vorstellung der realen Verhältnisse. Auch als sich 1940 die Lehrer mit der Frage "Schlägst du auch?" begrüßten.

 


Zusammenfassung
Über Schulstrafen auf pädagogischen Kursen während des zweiten Weltkriegs

Marjetka Balkovec Debevec

Das Slowenische Schulmuseum bewahrt wertvolle Archivalien über das Schulwesen während des Zweiten Weltkriegs, darunter auch etliche Materialien über pädagogische Kurse für Lehrer, die als Ersatzlehrkräfte in befreiten Gebieten tätig waren. Das Bedürfnis nach neuen Lehrkräften zeigte sich bereits im Lehrermangel des Partisanenschulwesens und der Entwicklung des Schulwesens nach der Befreiung. Unter archivalischen Beständen vom zweiten pädagogischen Kurs in Dobliče in Bela Krajina (20. Sept.-11. Nov. 1944) befinden sich auch 31 Aufsätze mit dem Titel "Einfluss der Schulstrafe", denen im vorliegenden Beitrag besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird. Der Beitrag bringt eine Analyse und Zusammenfassung der Überlegungen zu Schulstrafen, geschrieben in einem bedeutenden Zeitraum, der zugleich ein Wendepunkt ist und in dem neue Grundlagen für die Nachkriegsentwicklung des Erziehungs- und Schulwesens entstanden.
Die 39 Kursteilnehmerinnen und 9 Kursteilnehmer waren vorwiegend Jugendliche im Alter von 16 bis 20 Jahren, die meisten davon waren politisch aktiv (Aktivisten, Mitglieder des Kommunistischen Jugendbundes Jugoslawiens, Mitglieder der Kommunistischen Partei Sloweniens), vor allem aber hatten sie viel Freude am Unterrichten und verfügten zumindest über eine abgeschlossene Bürgerschule.
Der zweite pädagogische Kurs wurde von Jože Dolgan geleitet, der auch die meisten Vorlesungen hielt (allgemeine Psychologie, Pedologie, Didaktik, allgemeine Methodik und politische Stunden). Da sich die Kursteilnehmer gewisse Kenntnisse der Psychologie und Pädagogik angeeignet hatten, schrieben sie ihre Überlegungen über Schulstrafen in Form von Referaten nieder. Jedes dünne, handbeschriebene Blatt aus der grauen Archivschachtel wird erneut ins Leben gebracht und bringt seine eigene Geschichte und seine Erinnerungen an Schulstrafen, die die einzelnen Autoren als Schüler vor dem zweiten Weltkrieg erlebten, mit sich. Gleichzeitig mit der Aufgabe, die die Autoren als Lehrer in den Nachkriegsjahren zu erfüllen hatten, analysierten sie ihre Beziehung zu Schulstrafen und Bestrafungsarten in Zukunft. Nach Durchsicht sämtlicher Aufsätze kann man zusammenfassend feststellen, dass die Lehrer im Jahrzehnt vor dem Zweiten Weltkrieg mehrmals sowohl zur Körperstrafe als auch zu verschiedenen Schandstrafen griffen. Die zukünftigen Lehrer hatten den Wunsch, vor allem gerecht zu handeln und hofften, mit einer freundlichen Erziehung mehr zu erreichen.

 


Zusammenfassung
Geschichtliche Darstellung der Auffassung und Bedeutung der pädagogischen Strafe

France Strmčnik

Die vorliegende Erörterung befasst sich mit der neuzeitlichen Entwicklung und Auffassung der Bestrafungen, vorerst im Lichte der humanistischen Denker, die sich für einen frei erzogenen Menschen "homo universalis" einsetzten, der ein Grundmaßstab aller, auch erzieherischer Werte werden soll. Die grausamen mittelalterlichen Bestrafungsarten wurden abgelehnt. Mildere Strafen, die man nur hin und wieder einsetzte, waren jedoch zugelassen. Die späteren Klassiker der bürgerlichen Pädagogik (z.B. Komenski, Rousseau, Pestalozzi, Locke) berücksichtigten die humanistische Auffassung der Strafe nur im Bildungsprozess, viel weniger jedoch als eine Erziehungsmethode. Dasselbe gilt für die bürgerlichen Pädagogen des 19. Jahrhunderts, z.B. Herbart, und für die katholische Pädagogik, die davon ausgeht, dass das menschliche Naturell eher zum Schlechten als zum Guten neigt. Diesen Auffassungen nach wäre es möglich, das Schlechte nur mit "erschütternden Ermahnungen" auszurotten, wofür schmerzhafte Strafen notwendig sind. Die utopischen Sozialisten gaben der Strafe erneut eine humanistische Auffassung , was vor allem für Owen galt.
Die geschichtliche Darstellung verschiedener Bestrafungsarten zeugt davon, wie schwer es war, eine Befreiung von den grausamen Strafen zu erreichen und dass dieser Prozess stets zyklisch verlief: Höhen wurden von Tiefen gefolgt, darauf kamen wieder Höhen. Es gibt mehrere Anzeichen dafür, dass sich der heutige Zyklusstand erneut abwärts dreht.

 


Zusammenfassung
Gesetzlich vorgeschriebene Schulstrafen an den Gymnasien auf slowenischem Gebiet in den Jahren 1849-1914

Monika Govekar - Okoliš

Es steht fest,dass in der Struktur des Schulwesens auf slowenischem Gebiet in den Jahren 1849-1914 die Gymnasien als vorbereitende Schulen auf die Universität eine führende Rolle spielten. In diesem Zeitraum lebten die Slowenen innerhalb Österreich-Ungarns, das das gesamte Schulwesen bestimmte. Daher gab es auch es genaue Bestimmungen zur Erziehung und Bildung an den Gymnasien. Um an den Erziehungsgrundsätzen des damals neu eingefürten humanistischen Gymnasiums festzuhalten, legalisierte die österreichische Schulbehörde nach 1849 Schuldisziplinarvorschriften (die erste 1849, 1853, 1887 u.a.), in denen die Strafen, die nach Disziplinarvorschriften an den Gymnasien eingehalten werden mussten, genauestens unter die Lupe genommen wurden. Nach Disziplinarvorschriften wurden die Schulstrafen im Laufe der Jahre verschärft, für den Gesetzgeber war nämlich eine Erziehung durch strenge Ordnung von größter Bedeutung, was zur Verschärfung der formellen Disziplin und Kontrolle führte. An der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert forderten einige österreichische Fachkräfte eine Veränderung des Erziehungs- und Unterrichtswesens an den Gymnasien. Der vorliegende Beitrag beschreibt einige Versuche und Vorschläge (Tumlirz, Strouhal, Förster, Ozvald) zur Veränderung und Bedeutung der Schulstrafe an den Gymnasien. Er geht darauf ein, wie man die Disziplin an den slowenischen Gymnasien verändern könnte, um die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler zu verbessern. Nach 1908 kam es in Österreich zur Reform des Mittelschulwesens, wodurch man versuchte, die Probleme im Erziehungs- und Bildungssystem an den damaligen Gymnasien zu lösen.



Zusammenfassung
Strafen an gegenwärtigen Grundschulen

Iris Ucman

Disziplinieren und Bestrafen sind Vorgehen, die von den Grundschullehrern sowohl viel Energie als auch Zeit fordern. Dabei sollten sich die Lehrer vor allem um einen größeren Einfluss auf die moralische und soziale Reife ihrer Schüler bemühen. Sie sollten versuchen, die Schüler zu motivieren, die Regeln, die sowohl in der Schule als auch im gesellschaftlichen Rahmen gültig sind, bewusst zu akzeptieren. Sie sollten sich nicht nur damit begnügen, das Verhalten als Folge der Bestrafung zu verändern. Ein derart verändertes Verhalten ist nämlich keineswegs eine Garantie dafür, dass der Schüler die Regeln akzeptierte und die Disziplinarvergehen in Zukunft nicht mehr wiederholt werden. Ferner sollte sich der Lehrer nicht nur auf eine einzige Bestrafungsart konzentrieren und sie vorschriftsmäßig auf sämtliche Schüler und Begebenheiten anwenden.
Die Grundschulordnung über Rechte und Pflichten der Schüler sichert die Grundrechte der Kinder und verhilft den Lehrern, die Subjektivität ihrer Reaktionen und Disziplinar-maßnahmen als Folge der Disziplinarvergehen zu minimalisieren. An den Schulen werden Ordnungsverletzungen unterschiedlichen Grades wahrgenommen, die meisten davon sind Regelverstöße niedrigen Grades, vor allem ungeeignetes Verhalten, Ablehnung der Mitarbeit im Unterricht und unentschuldigtes Fernbleiben vom Unterricht. Die Gründe dafür liegen sowohl in der Inkonsequenz in Verbindung mit Bestrafungen und der Disziplinhaltung in der Schule als auch in der permissiven und vernachlässigten Erziehung zu Hause. Die Wirksamkeit der Disziplinarmaßnahmen steigt einerseits mit ihrem Grad, andererseits jedoch ist sie abhängig von der Autorität, die die Strafe erteilt. Die Bestrafungsarten an den Grundschulen haben sich verändert, indem man einen humaneren und weniger repressiven Zutritt zum Schüler sucht.

 


Zusammenfassung
Erziehungsmaßnahmen an den Mittelschulen von heute

Ludvik Mihelič

Ein Bestandteil des Erziehungs- und Bildungswesens ist auch die Kontrolle der Einhaltung verschiedener Ordnungen und vereinbarter Vorschriften und im Bedarfsfall auch der Erteilung einzelner Erziehungsmaßnahmen (Strafen).
Der vorliegende Beitrag bring einen flüchtigen Überblick über die Erziehungsmaßnahmen (Strafen) an den heutigen Mittelschulen. Dabei kann festgestellt werden, dass das Gebiet der Erziehungsmaßnahmen nach ihrer Art, Anzahl, Häufigkeit, Erteilung und Wirksamkit in der pädagogischen Literatur bisher ungenügend bearbeitet wurde.
Um die gegenwärtige Situation zu verdeutlichen, diente uns die derzeit gültige Schulordnung für Gymnasien, Berufsschulen und Fachschulen als Grundlage. Dabei wurden sowohl die Vor- als auch Nachteile hervorgehoben. Die Ordnung hatte eine gewisse Deutlichkeit und Vereinheitlichung im Handeln zur Folge, da sie Vergehen, Bestrafungsarten und Erteilungen der Erziehungsmaßnahmen eingehend definiert. Im Grunde genommen kann eine positive Einstellung den Schülern gegenüber wahrgenommen werden. Besonders vorteilhaft scheint die Aufhebung der Erziehungsmaßnahme, wenn sich der Schüler nach Erteilung der Strafe verbessert hat.
Die Ordnung enthält aber auch etliche weniger akzeptable Bestimmungen, die von den Lehrern kritisch beurteilt werden. Nach ihrer Ansicht und nach Angaben der Literatur ist unentschuldigtes Fernbleiben vom Unterricht das Schlüsselproblem der heutigen Mittelschulen. Der Grenzwert von 50 unentschuldigten Stunden, der nach der Schulordnung zum Schulausschlussverfahren führt, ist offensichtlich zu hoch. Gewisse Nachteile, die sich in der Praxis als solche erwiesen haben, wären nach sachlicher Überlegung abzuschaffen, um die Ordnung den Lehrern und Schülern zugute zu korrigieren. So bekommt man immer wieder den Eindruck, dass die Ordnung an manchen Stellen mehr auf der Seite der Schüler steht, die den Regeln gerne ausweichen. Dem Lehrer wird jedoch wenig oder überhaupt kein Vertrauen zugesprochen. Die Schülerrechte werden stärket betont als ihre Pflichten. Unserer Ansicht nach ist es notwendig, den Schülerrechten den entsprechenden Wert zu geben, dennoch sollten sie auf Pflichten und einem verantwortungsvollen Handeln beruhen.
Die Ansichten des Autors beruhen auf einer Umfrage, durchgeführt an der Wirtschaftsschule Ljubljana. Vorgestellt wird die interne Hausordnung, die die Disziplin an dieser Schule regelt. An der kurzen Umfrage über Erteilung und Wirksamkeit der Erziehungsmaßnahmen beteiligten sich 55 Schüler, alle Viertklässler im Programm Wirtschaftsgymnasium. Unter den Gründen für verschiedene Strafmaßnahmen steht auch an dieser Schule unentschuldigtes Fernbleiben vom Unterricht an erster Stelle. (24 Schüler oder 48% aller Befragten). 80% der Schüler vertreten die Meinung, dass auch Benoten als Erziehungsmaßnahme verwendet wird (Strafüberprüfungen bzw. mündliches Abfragen als Strafe). Das bereits erfahren zu haben, behaupten 14 Schüler, 35 Schüler konnten derartige Verfahren bei ihren Mitschülern beobachten.
Die Überlegungen zu Strafmaßnahmen an den heutigen Mittelschulen ergeben zahlreiche Fragen. Die meisten betreffen die Wirksamkeit der erteilten Maßnahmen, ihre steigende Anzahl und ihre Wirkung auf die Schüler.
Die Erteilung der Erziehungsmaßnahmen widerspiegelt das vorangehende Handeln der Lehrer und Schüler, die präventive Arbeit bzw. das Programm der Schule, die Kultur und das Klima an der Schule, unterschiedliche Sensibilität der Schüler für bestimmte Vergehen und ein unterschiedliches Handeln der Lehrer bei den aufgetretenen Problemen.
Wir müssen uns dessen bewusst sein, dass die Erziehungsmaßnahmen eine Beständigkeit der Arbeit im Erziehungs- und Bildungswesen sind. Keinesfalls jedoch sind sie das einzige Mittel zur Erzielung der Disziplin. Äußerst wichtig sind sämtliche präventiven Aktivitäten an der Schule, die Berücksichtigung der Eigenschaften und Besonderheiten des Individuums, Zusammenarbeit mit Eltern und Ähnliches. Neben der Einhaltung der grundlegenden Schulregeln ist eine Konsequenz und Vereinheitlichung des Handelns der Lehrer an der Schule notwendig. Ferner ist es notwendig, dass die Erziehungsmaßnahmen stets eine erzieherische Wirkung haben.

 


Zusammenfassung
Der Lehrer zwischen heteronomer und autonomer Schülermoralität

Jana Kalin

Die Definition des Begriffes Persönlichkeit nach Angaben des Lexikons Moral und Ethik beinhaltet die Moralität als eine Grundeigenschaft jeder Persönlichkeit: "Eine Persönlichkeit sein, bedeutet, dass man moralisch ist, die Werte in die Tat umsetzt und sie lebt." Darin zeigen sich auch die Eigenschaften einer reifen und ethischen Persönlicheit. Die Grundeigenschaften einer ethischen Persönlichkeit sind: Autonomie, Verbindung mit anderen und Selbstüberwindung. Auf dem Weg zur Selbstüberwindung gibt es vier Stufen: Erfahrung, Einsicht, Beurteilung und Entscheidung. Innerhalb dieser Prozesse spielen Lernen und Erziehung eine wichtige Rolle und stellen ständig neue Forderungen an Lehrer. Die Gestaltung der menschlichen Persönlichkeit ist mit dem Prozess der Erziehung und Bildung aufs engste verbunden. Diese beiden Prozesse bilden eine Einheit und sind keineswegs zu trennen.
Die Gestaltung der Persönlichkeit ist tatsächlich die Gestaltung des menschlichen Charakters, der die Einstellungen und Werte des Individuums umfasst und gleichzeitig das gesamte System der persönlichen Eigenschaften darstellt, die bestimmen, wie das Individuum in Verbindung mit moralischen Grundsätzen und gesellschaftlichen Normen handelt. Es stellt die Art und Weise dar, auf die sich das Individuum in Situationen, die das Wohlbefinden anderer betreffen, entscheidet. Der Entwicklungsstand des Charakters kommt vor allem in Konfliktsituationen zum Ausdruck, in denen der Mensch zwischen der Befriedigung der Engheit seiner eigenen Bedürfnisse und der Hilfe anderen, ihre Ziele zu verwirklichen, wählen muss.
Auf die Frage, warum eine moralische Beurteilung keine Gewährleistung für ein moralisches Wirken ist, versucht das Modell von James Rest eine Antwort zu geben. Ferner beschäftigt es sich mit der Frage, wie dem jungen Menschen bei seiner Entwicklung als Persönlichkeit und bei der Ausarbeitung seines Wertsystems Hilfe zu leisten und definiert die Grundprozesse, die für das Erscheinen eines moralischen Verhaltens notwendig sind: die Fähigkeit, die moralische Situation zu erklären, die Beurteilung richtiger Wirkungsweisen, das Bestimmen gewählter vorrangiger Werte und die Fähigkeit, eine moralische Tat zu vollbringen. Der Lehrer, der zugleich ein Erzieher ist, sollte dem Individuum auf dem Weg durch die Phasen seines Entwicklungsprozesses zur Hilfe stehen.
Das Modell stellt auch einige Methoden und Formen der moralischen Gestaltung vor und bewertet sie im Lichte ihrer Wirksamkeit. Das grundlegende Ziel ist sicherlich die Entwicklung des Individuums von heteronomer zu autonomer Moralität, wobei die Bestrafung als diejenige Methode, das gewünschte Ziel zu erreichen, in Frage gestellt wird.

 



Zusammenfassung
Über den pädagogischen Wert der Strafe

Das Problem des Disziplinierens und der Einschränkung des Kindes betrachte ich stets zunächst aus der Perspektive der Erfahrungswelt des Kindes. Daher bin ich der Ansicht, dass man bei der Gestaltung einer selbständigen, kritischen, verantwortungsvollen und ethisch sensiblen Persönlichkeit den unangenehmen Erziehungsmaßnahmen nicht ausweichen kann. Ebenfalls darf man ihnen die Möglichkeit einer positiven pädagogischen Wirkung nicht aberkennen. Die Gesamtheit der erziehungstheoretischen Fragen, einschließlich der Bestrafungen, soll auf Erkenntnissen der gegenwärtigen ethischen Theorien und der Entwicklungpsychologie beruhen und gleichzeitig die Menschen- und Kindesrechte berücksichtigen. Bei den Überlegungen zu Grenzfällen des noch erlaubten pädagogischen Handelns steht die Logik an erster Stelle. Bei der Suche nach erfolgreichen pädagogischen Lösungen im Rahmen des gesetzlich zulässigen Handelns ist es notwendig, die Verbindung von pädagogischer Theorie, Ethik und Entwicklungspsycholigie zu berücksichtigen.

 

Zusammenfassung
Erinnerungen an Schulbestrafungen

Jurij Lovrenc Mrak

Der vorliegende Beitrag beschreibt verschiedene Bestrafungsarten, die in der Vergangenheit an Grundschulen ausgeführt wurden, einige davon sogar vor mehreren Jahrzehnten. Zeitlich werden sie nicht definiert, inhaltlich unterteilen sie sich in zwei größere Gruppen: Körperstrafen und psychische Gewalt.
Bei der milderen Ausführungsart der Körperstrafe klopfte die Lehrerin den Schüler mit dem Fingerglied auf den Scheitel oder zog ihn an den Ohren oder Haaren. Viele Lehrer gaben auch Ohrfeigen, eine mildere Form davon war Ohrenzwicken. Wenn jedoch die Radaumacher in der gleichen Bank saßen, griff sie die Lehrerin am Kopf, schlug ihre Köpfe zusammen und bestrafte so beide auf einmal. In besonderer Erinnerung blieben die Strafen mit der Rute, die in keinem Klassenzimmer fehlten durfte. In der mildesten Anwendungsform wurde mit der Rute auf den Tisch oder die Schulbank geschlagen, um Ruhe zu erreichen. Sie diente aber auch dazu, die Schüler an Gehorsamkeit zu gewöhnen. Aus meiner eigenen Kindheit blieb mir in Erinnerung, dass Jungen häufiger als Mädchen geschlagen wurden. Sie erhielten Schläge auf die Hände , den Hintern und sogar auf die Fußsohlen.
Der Pechvogel wurde zur Tafel gerufen und musste vor dem Strafvollzieher seine Hände, gedreht nach oben, ausstrecken. Darauf bekam er sowohl auf die linke als auch die rechte Hand beliebig viele Schläge. Das Schlagen am Hintern war zeitlich und zahlenmäßig besonders unbegrenzt. Der Bestrafte musste knien und den Hintern anspannen, dann schlug die Rute. Viel schlimmer war es, wenn der Schüler über die Knie geschlagen wurde. Wenn die Kinder vor Jahrzehnten noch barfuß zur Schule gingen, wurden sie zur Strafe auf die Fußsohlen geschlagen. Da es sich meisten um eine Haselstrauchrute handelte, nannte man diese Bestrafungsart Einschmieren mit Haselfett.
Neben gewöhnlicher Ermahnung wurden die Kinder häufig auch mit Ausdrücken wie Esel oder Lümmel angesprochen. Bekannt waren Strafen, wenn das Kind seinen Arbeitsplatz verlassen musste oder in der Schulbank stehend am Unterricht teilnahm. Oft mussten die Schüler sogar das Klassenzimmer verlassen oder wurden in die Ecke verwiesen, wo sie, zur Wand gedreht, zu knien hatten. Häufig mussten sie vor dem Katheder stehen, manchmal sogar auf Sand oder Buchweizen kniend. Die Schulen waren voller Demut und psychischer Gewalt und derartige Bestrafungsarten waren bis zum Ersten Weltkrieg gebräuchlich.
Immer wieder wurden die Schuldigen auch Schmähungen ausgesetzt. Die häufigste Art der Schmähung war die Eselsbank, die sich gewöhnlich in der letzten Reihe im Klassenzimmer befand und in der der schlechteste Schüler saß, bis er sich verbesserte. Nach Erzählungen älterer Leute befestigte man am Rücken jedes Schülers in dieser Bank einen aus Holzplatte ausgeschnittenen Eselskopf. Auf diese Weise wurde er öffentlich verlacht und gedemütigt.
Die weniger erfolgreichen Schüler wurden nach dem Unterricht in der Schule aufgehalten. Man sagte, dass sie eingesperrt waren. Heute wäre das individueller Unterricht, damals jedoch war es eine demütigende Strafart. Auch übertriebene Strenge und Forderung nach Disziplin waren häufig die Ursachen für psychische Not der Kinder. Strenge Lehrerinnen verlangten von allen das Gleiche und Schüler mit geringeren Fähigkeiten waren überfordert. Einige Grundschullehrer verlangten von ihren Schülern, dass sie zur Strafe ein bestimmtes Gedicht auswendig lernen mussten, was als Strafe ganz und gar ungeeignet ist. Ein Erziehungsvergehen lässt sich nämlich nicht durch zusätzliches Lernen bestrafen.
Nicht zuletzt soll man sich dessen bewusst sein, dass die kommenden Generationen das Handeln der heutigen Lehrer auf die gleiche Weise bewerten werden, wie wir die Lehrer der Vergangenheit.

 
Anmeldung an aktuelles
Suche
Slowenische Schulmuseum
Plečnikov trg 1, 1000, Slowenie,
E-mail: solski.muzej@guest.arnes.si,
Telefon: +386 01/251-30-24 (Verwaltung),
+386 01/251-31-27 (Kustos),
+386 01/251-31-63 (Bibliothek)
Production: Spletne rešitve Sloway